Denk! Denk! Ohhh! Jaaaawohlll, das sind sie!  Ist es Dir so gegangen, als Du Dich daran gemacht hast Deine Big Five zu finden? Mir ging es leider nicht so, denn ich stellte fest, dass sich die Ziele meiner Kindheit auf wundersame Weise scheinbar alle erfüllt hatten und ich mir neue Ziele setzen musste. Im Ziele setzen bin ich geübt. Also habe ich mir neue gesetzt. Das fiel mir nicht schwer, aber ich musste dann über die Jahre feststellen, dass die Formulierungen der Ziele und ihre Inhalte sich änderten. Warum passierte das? War ich ungenau? Wusste ich nicht was ich wollte? Ziele – Träume – Wirklichkeit

Das Stichwort ist hier „Ziele“! Ich erkannte, dass ich nicht meine Träume, sondern Ziele verwirklicht hatte.  Ziele werden aus einer bestimmten inneren Haltung heraus  formuliert. Wie vielen Menschen um mich herum  war auch mir damals nicht bewusst, dass eine Veränderung der Haltung eine Veränderung von Zielen nach sich zieht. Viele unserer Werte leben wir unbewusst, und sie finden ihren Ausdruck in unseren Zielen. „Träume und Herzenswünsche“ haben eine andere innere Struktur als Ziele. Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen. Eines meiner Big Five for Life war: Seven Summits, d.h. ich wollte auf jedem Kontinent den höchsten Berg besteigen. Ein Ziel ganz nach meinem Geschmack. Herausfordernd, bildträchtig, extrem und zum damaligen Zeitpunkt von noch nicht mehr als 900 Menschen umgesetzt, ein Ziel das eines „ganzen Mannes würdig“ war, wie ich empfand.

Die erste Veränderung erfuhr dieses Ziel, ich spreche bewusst von Ziel, als ich ein Bild von Bergsteigern am Mount Everest sah.  Auf diesem standen mehr als 60 Bergsteiger in einer Reihe, die laut Bildunterschrift alle auf eine Gelegenheit zum Aufstieg auf das „Dach der Welt“ warteten. Sie hatten schon mehrere Tage immer wieder auf eine Gelegenheit gewartet, die letzte Etappe anzugehen. War das mein Wunsch? Ich warte nur generell ungern irgendwo. Und das sollte nun Teil der Erfüllung meines Ziels sein?

Ich erkannte sehr schnell, dass mit meinem Ziel etwas nicht stimmte. Ich änderte das Ziel ab in: auf jedem Kontinent mindestens 32 Tage am Stück durch die schönsten Bergregionen zu wandern. Nicht mehr ganz so extrem, aber auch nicht mehr ganz so aufmerksamkeitswirksam. Zwischenzeitlich erinnerte ich mich jedoch daran, dass ich mit meinem jüngsten Sohn von München nach Venedig gewandert war. Er wurde während der Wanderung  13, und es war ein Erlebnis, das meine Beziehung zu ihm sehr geprägt hat. Es war mir dabei nicht um Gipfel und Sehenswürdigkeiten gegangen sondern um die gemeinsame Erfahrung und das Ziel Venedig zu erreichen.

Heute lautet mein Herzenswunsch: Fernwanderungen durch die schönsten Bergregionen der Welt. Meine Ziele hatte ich gesetzt auch mit dem Anspruch, ein Zeichen zu setzen, Aufmerksamkeit zu gewinnen und Vorbild zu sein, „meinen Ansprüchen“ zu genügen. Meine Big Five for Life drücken heute Träume aus. Träume waren mir als ich die Big Five for Life kennenlernte fast gänzlich unbekannt als Kategorie und eher verbunden mit der  Haltung  „Träume sind Schäume“ und „Träumereien“ als mit dem Herzen zu wünschen. Ich musste erst einen Zugang zu mir finden.

John nutzt im „Wiedersehen im Café am Rande der Welt“ für die Notwendigkeit, einen Zugang zu sich zu finden, das Bild einer Kiste, in der sich Jessica befindet. Sie erkennt, dass sie sich nach einem Tag am Meer so unsäglich frei und unbeschwert fühlt und dass sie dieses Gefühl nicht mehr missen möchte und nicht mehr in die selbst gezimmerte Box zurück möchte, weil sie dort nicht ihren „Spielplatz“ sondern den anderer Menschen bespielt. Sie hat Zugang zu sich gefunden und erkennt die „Kiste“ als eine Ansammlung von ihr nicht mehr gemäßen Werten und Einstellungen sich selbst gegenüber.

Wenn ich in mich hineinfühle, spüre ich einen Unterschied, ob ich von Träume – Ziele – Wirklichkeit oder von Ziele – Träume –Wirklichkeit spreche. Wenn Du mehr dazu erfahren möchtest, dann schau doch beim Jahrmarkt vorbei und lies auch noch einmal die Szene im „Wiedersehen im Café am Rande der Welt“. Kapitel 47, S. 223 ff.,  hier insbesondere Seite 225 ff. (Das „Wiedersehen im Café am Rande der Welt“ erscheint im November auch als Hörbuch)

Danke für das Bild zu diesem Beitrag an Astrid Waitz. Es ist im September beim Discovery Plus Seminar am Grundlsee, Österreich, aufgenommen worden.