Eine Leserin schrieb mir vor einigen Wochen ihre Gedanken zu den Geschichten von John:

Mir ist in den Büchern aufgefallen, dass das „Aussteigermodell“ doch wohl eher nur für Singles gedacht ist, die keinerlei Verantwortung bzw. Verpflichtung gegenüber weiteren Menschen (Kinder, noch vorhandene Eltern, Geschwister, Tiere …….) haben und das Ganze recht egoistisch anmuten läßt.

Dass man im Laufe seines herkömmlichen Lebens nunmal moralische, emotionale und auch finanzielle Verpflichtungen eingeht, das ist doch wohl klar, auch ohne verschwenderisch mit seinem Budget umzugehen.

Soll man all das nun kappen, sich von noch lebenden Elternteilen „verabschieden“, erwachsene Kinder „vor die Tür setzen“, nur um sich vorzeitig frei zu machen.

Das muss man dann ganz schön mit sich selbst ausmachen können und seinem Gewissen. Und selbst wenn man all das tut, dann trübt mit Sicherheit genau dieses „schlechte Gewissen“ den Genuss an dem, was man dann seine Erfüllung nennt.

Also, wann muss man dafür die Kurve kriegen? Jung, und gar nicht erst eine Beziehung eingehen, weil das ja schon verpflichtet einem anderen Menschen gegenüber?

Auf diese Gedanken stoßen wir immer wieder: Wenn ich meine Big Five for Life leben möchte, dann müsste ich konsequenterweise mein Leben ändern, Beziehungen lösen und Verpflichtungen beenden.

Wenn Veränderungen anstehen

Nun, der eine oder andere ist in der Situation, dass er etwas Grundsätzliches verändern kann. Sei es, weil er seinen Job verloren hat oder eine Beziehung endet oder bei jungen Menschen der Wechsel nach der Schule oder nach dem Studium in einen neuen Lebensabschnitt folgt. Hier raten wir, sich seiner Big Five for Life bewusst zu sein, bevor man die nächsten Schritte in eine neue Zukunft geht.

Aber die meisten Menschen leben, wie die Leserin es beschreibt, in Strukturen. Über die Wirkung der Big five for Life  in dieser Situation, darüber möchte ich hier ein paar Gedanken formulieren:

Sie kennen sicherlich die Sicherheitsbelehrung im Flugzeug vor jedem Start. Dazu gehört auch der Hinweis, dass bei einem Druckabfall in der Kabine Sauerstoffmasken herabfallen. Und dann – aufgepasst!- sollen erst die Eltern sich ihre Maske aufsetzen, bevor sie ihren Kindern dabei helfen. Da ist ja nicht gerade das, was wir Eltern für richtig erachten. Aber es hat einen Sinn: Nur wenn es mir gut geht, kann ich auch anderen helfen. Gleiches gilt für mich auch, wenn ich das Erziehungsziel habe, glückliche Kinder aufzuziehen. Muss ich dann nicht für mein Glück sorgen, damit ich dieses Gefühl weitergeben kann? Was denkst du?

Glücklich sein – wie geht das?

Um glücklich zu sein, behaupte ich, muss man die Dinge, die einen ganz persönlich glücklich machen, kennen und sich ausreichend gönnen. Und wenn ich meine Big five for Life kenne und ihnen Raum in meinem Leben gebe, dann stellt sich das Glücksgefühl ein. Ich muss das nicht radikal machen. Aber täglich eine Dosis „Big Five for Life“ ist notwendig. Entweder schaffe ich mir einen zeitlichen Freiraum dafür oder ich suche Möglichkeiten, die anderen Personen aus meinem Umfeld mit einzubeziehen. Sie wandern gerne und der Rest der Familie macht lieber eine Fahrradtour. Na gut, dann wählen sie unterschiedliche Wege aber vereinbaren sie ein Treffen für die gemeinsame Mittagsrast. So können die Fahrradfahrer auch den Proviant transportieren und sie brauchen ihn nicht zu tragen.

In einem Gespräch  mit einer mitarbeitenden Ehefrau und Mutter von zwei Kindern haben wir das Thema, mit der eigenen Auszeit für ein paar Stunden jede Woche besprochen. Sie meinte zunächst auch, dass sie das nicht kann. Aber sie erzählte im gleichen Atemzug, dass ihr Mann sich regelmäßig einige Stunden am Wochenende familienfrei nimmt und mit seinem Rennrad längere Touren macht. Warum kann er das so selbstverständlich? Und sie nicht?

Es ist oftmals eine Frage des Arrangements. Zu solchen Vereinbarungen kommt man aber nur, wenn man sich und sein Glück wichtig genug nimmt und Wünsche an die Umgebung formuliert.

Die Richtung bestimmen

Und es lohnt sich, diese Dinge in Angriff zu nehmen. Je eher desto besser. Dazu noch abschließend dieses Bild:

Das Leben, so wie du es heute lebst (ohne das Bewusstsein deiner eigenen Big Five for Life) führt dich bildlich gesprochen strikt Richtung Süden. Von mir aus betrachtet wäre das Italien. Aber ich wünsche mir viel mehr, nach Portugal zu gelangen, also Richtung Süd-West. Wenn ich nichts tue, werde ich irgendwann in Italien landen. Was mich nicht glücklich macht. Wenn ich dann doch noch das Ziel wechseln will, muss ich abrupt den Kurs auf West ändern. Und wie geht es anders? Wenn ich jetzt schon beim Start die Richtung nur einige wenige Winkelgrad Richtung Westen korrigiere, dann ändert sich mein heutiges Leben im ersten Wegabschnitt nur minimal. Meine Begleiter werden das vielleicht gar nicht gleich merken. Es gibt keine Brüche – aber eine stetige Entwicklung, auf der ich auch wichtige Menschen ein Stück mitnehmen kann. Und Schritt für Schritt nähere ich mich meinem geliebten Portugal. Auf dem Weg stellt sich schon die Vorfreude auf meine Big Five for Life ein. Und am Ende winkt mein Glück.

Aus eigener Erfahrung und vielen Beobachtungen kann ich dir bestätigen, dass es sich lohnt, seinen eigenen Weg zu gehen. Dieser wird dich Tag für Tag glücklicher machen.