Das ist eines meiner Big Five for Life. Und dazu habe ich einen außergewöhnlichen Museumstag am Dienstag erlebt. Es war mein erster öffentlicher Auftritt mit meiner neuen Gesangsgruppe.

Ich habe wie viele andere, die ich zwischenzeitlich getroffen habe, in meiner Schulzeit einfach Pech mit unserem Musiklehrer gehabt. Ich weiß noch genau, wie wir zu Beginn der 5. Klasse einzeln an seinen Flügel treten mussten und ein einfaches Lied vorsingen sollten. Er sortierte dann aus. Diejenigen, die singen konnten, blieben vorne und übten sechs Jahre lang für die Auftritte des Schulchores. Der Rest – ich und zwei andere Jungs – durften uns derweil in die hinterste Ecke des Musiksaales verdrücken. Ich bin ein ausgezeichneter Skatspieler geworden. Aber singen durfte und konnte ich ja nicht. So ging es dann auch nach der Schule weiter. Ich war ja so zusagen geprüfter Kann-nicht-Sänger. Also habe ich mich auch immer zurückgehalten, auch bei Familienfeiern, an Weihnachten oder in der Kirche. Wenn von mir erwartet wurde, dass ich mitsinge, dann habe ich meinen Mund zwar bewegt aber keine Töne von mir gegeben.

Erst mit 52 habe ich die Sehnsucht nach Musik (wieder-)entdeckt, als ich mich mit meinen Big Five for Life beschäftigt habe. Um mich der Musik öffnen zu können, brauchte ich erst ein paar Wer’s – meint Sängerinnen und Sänger, denen ich mich anvertrauen konnte und die mir die Überzeugung vermittelten: Jeder kann singen!

Das Konzert

So, und nun stand ich vergangenen Dienstag auf der Bühne beim Lüneburger Come-together-Konzert mit und für unsere Flüchtlinge. Da Osterferien sind, war unser Chor schon sehr klein. Aber ich hatte mich mit Carsten verabredet und mich die ganze Woche auf unsere Bass-Stimme vorbereitet. Einige Chormitglieder haben kurzfristig abgesagt – leider auch Carsten… Dann hat der Rumpfchor einstimmig gesungen, also ich mit allen Frauen zusammen. Ich wurde von ihnen freundlich aufgenommen…

Aber nun zum Konzert: Es fand im Lüneburger Wasserturm statt. Es waren knapp 100 Sitzplätze, die schon eine viertel Stunde vor Beginn alle besetzt waren. 50-60 Menschen ergatterten dann noch Stehplätze in den Nebengängen. Und dann wurde der Eingang wegen Überfüllung geschlossen. Es tat uns leid, Dutzende von Menschen abzuweisen. Wir wollten doch Menschen zusammenbringen und nicht trennen. Aber voll ist voll. Das zum zahlenmäßigen Erfolg des Abends.

Und dann das Konzert. Sylvia Lawaty, unsere Chorleiterin und Organisatorin des Abends, hat nicht nur mich zum Singen gebracht. Sie hat durch ihre unbeschreibliche Art alle Gäste zum Mitsingen gebracht. Die Stimmung war fantastisch. Unser Chor hat toll gesungen. Und einige Künstler unter den Flüchtlingen haben uns mit ihren musikalischen Beiträgen sehr berührt. Wir haben tolle Musik gehört und gemacht. Es war ein Museumstag für alle Musiker und alle Gäste.

Mein nächster Auftritt steht auch schon fest: CHOIR CONVENTION 2016 in Hitzacker am 23. April.