Ja, überall um uns herum warten Dinge, um von uns neu entdeckt zu werden. Erleben wir Neues, entwickeln wir uns weiter. Ich glaube an ein lebenslanges Wachstum. Unser Körper und unser Gehirn können auch noch mit 50, 60, 70 oder 80 Neues lernen. Gerade habe ich ein Video bei Facebook gesehen über eine 102-Jährige. Sie hat mit 81 begonnen, als sie ihr Leben zu langweilig empfand, in einer benachbarten Schule den Kindern Hauswirtschaftsunterricht zu geben. Seitdem bringt sie ihnen das Kochen bei.

Aber wie geht das mit dem Wachsen und Lernen. Ja, wir müssen von unserem Sofa aufstehen und uns dem Leben stellen. Wir verlassen unseren Raum, in dem wir uns sicher und vertraut fühlen. Dieser Raum wird auch Komfortzone genannt. Und wenn wir diese Zone verlassen, dann betreten wir neues Territorium, das bei uns zunächst Unsicherheit vielleicht auch Angst auslöst.

Was ist überhaupt eine Komfortzone?

Hier kenne ich mich aus. Es ist mein Alltag. Es gibt keine Überraschungen. Ich kenne die Regeln. Ich weiss, was passieren wird. Ich verspüre Sicherheit und Geborgenheit. Ich bin ruhig und zufrieden. Viele Dinge kann ich schon automatisch erledigen, ohne viel nachzudenken. Ich laufe auf Autopilot. Das Leben funktioniert und wird nicht gestört.

Je nach Persönlichkeit ist die Komfortzone sehr individuell. Wenn ich beruflich viel reise und fliege, dann sind Aufenthalte in großen Städten und Hotels wahrscheinlich Teil meiner Komfortzone. Jemand anders, der Deutschland noch nie verlassen hat, verspürt eine gewisse Angst, das Flugzeug nach Mallorca zu besteigen. Er kennt das Fliegen nicht. Er weiß nicht, wie es im Ausland ist. Und so weiter. Dieser Mallorca-Tourist verlässt seine Komfortzone und erlebt Neues. Der Vielreiser verläßt wahrscheinlich auch seine Komfortzone, wenn er das Hotel und die gewohnte Zivilisation gegen eine Rucksacktour durch den Urwald eintauscht.

Es gibt so viele unterschiedliche Komfortzonen wie es Menschen gibt. Die Komfortzone wird durch die individuellen Gefühle geprägt und definiert.

Und warum soll ich sie verlassen?

Zunächst einmal, brauche ich für meinen Rückzug diesen Alltags-Raum – zum Regenerieren, um zur Ruhe zu kommen… Aber es zeigt sich, wenn ich mich auf diese Komfortzone beschränke, dann wird diese im Laufe der Zeit immer kleiner. Ich ziehe mich weiter und weiter zurück in meine „Welt“. Im Amerikanischen wird die Komfortzone auch „Death Zone“ genannt, die persönliche Todeszone sozusagen. Ein Leben im Stillstand.

Wenn ich mich entwickeln will, am Leben teilhaben will, dann habe ich immer mal wieder meine Komfortzone zu verlassen. Die ersten Schritte kosten Überwindung. Aber ich lerne schnell, dass es gar nicht so schlimm ist. Ich erweitere meine Perspektive. Ich sehe Neues und kann Neues selbst ausprobieren. Diese äußere Randzone bezeichnen viele auch als Lernzone.

Die „Lernzone“

Ein Beispiel gewünscht: Ich gehe immer in den gleichen Supermarkt. Heute entschließe ich mich, die Komfortzone zu verlassen und gehe auf den Wochenmarkt einkaufen. Ich spreche mit fremden Menschen, lasse mir neue Produkte erklären. Darf verschiedene Apfelsorten probieren. Ich verhandle vielleicht sogar den Preis. Ist das ein Unterschied zum Discounter! Ich werde dann meine neuen Erfahrungen auswerten. Vielleicht entscheide ich, dass ich zukünftig Obst und Gemüse lieber auf dem Wochenmarkt kaufe. Ich habe etwas gelernt. Im nächsten Schritt erweitere ich meine Komfortzone, indem der Wochenmarktbesuch Teil meiner Routine wird.

So kann ich auf die „sanfte“ Art meine Komfortzone erweitern. Bei vielen Menschen führen positive Erfahrungen dazu, immer mal wieder, diese Randzone – die Lernzone – zu betreten und sich so weiterzuentwickeln.

Es gibt so viele einfache Möglichkeiten das zu tun! Versuche auf dem Weg von und zur Arbeit etwas zu ändern: Du kannst einen anderen Weg nehmen; Du kannst mit einem Bus eher oder später fahren und so neue Menschen sehen/treffen. Du kannst in der Mittagspause Deine Gewohnheiten ändern: Einen anderen Platz in der Kantine, ein anderes Restaurant, ein anderer Begleiter… Es gibt so viele Chancen für neue Erfahrungen.

Die „Panikzone“

Die Lernzone ist die erste, sanfte Stufe, seine Komfortzone zu verlassen und zu erweitern. Dahinter, etwas weiter außerhalb liegt die sogenannte „Panikzone“. Diese fordert von Dir die Überwindung Deiner Ängste. Du wirst Dir viele Gedanken machen und viele Ausreden überlegen, warum Du das nun gerade nicht machen solltest oder gerade kannst. Stell Dir vor, Du bekommst die Einladung zu einem Ausflug in einen Hochseilklettergarten, zu einer Tour als Beifahrer auf einem schnellen Motorrad, Du darfst einen Vortrag vor 500 Menschen halten oder ein Interview für das Fernsehen geben… Dir fallen sicherlich noch weitere Möglichkeiten ein, wo Du sagst: „Eigentlich eine tolle Sache, aber … eigentlich habe ich Angst davor.“

Magst Du mir glauben, das die wirklich tollen Erlebnisse außerhalb – vielleicht weit außerhalb – Deiner Komfortzone liegen. Und folgst Du mir auch bei meinem zweiten Gedanken, dass die meisten Dinge gar nicht so schlimm sind, wenn ich sie ausprobiere. Überlege einfach, was schlimmstenfalls passieren kann und mit welcher Wahrscheinlichkeit. Und denke auch daran, welch ein tolles Gefühl, welche grandiose Erfahrung Du sammeln könntest.

Wenn Dir das zu theoretisch ist, dann denke einfach mal an vergangene besondere Momente zurück. Fanden diese innerhalb oder außerhalb Deiner Komfortzone statt? Hattest Du etwas Neues probiert oder passierte es an einem normalen Abend, als Du auf dem Sofa mit einer Tasse Tee und der Zeitung gesessen hast…