Zuverlässigkeit ist ein Wert, den viele Menschen teilen und der doch so unterschiedlich verstanden wird. Ich persönlich bin der Meinung, dass ich zuverlässig bin. Als mir also kürzlich der Vorwurf gemacht wurde, ich sei nicht zuverlässig, brachte mich dies binnen Sekunden auf die inneren Barrikaden. Bei näherem Hinhören, der gesunkene Adrenalin Spiegel lies wieder erste klare Gedanken zu, stellte ich dann fest, dass hier zwei Menschen von ganz unterschiedlichen Wertmaßstäben sprachen. Beide Seiten maßen natürlich zunächst nur ihrem persönlichen Maßstab eine Bedeutung bei.

Inwieweit ist der Grad meiner Betroffenheit gegenüber diesem Vorwurf ein Maßstab für die Richtigkeit des Vorwurfs? Zunächst einmal ist es so, dass bei jedem Vorwurf den ich einem anderen Menschen mache, ich selbst einmal prüfen sollte, inwieweit ich mich da nicht gerade selbst richte. Denn wenn ich mit einem Finger (Vorwurf) auf einen andern zeige, zeigen immer mindestens drei Finger auf mich selbst (probiere es doch einfach einmal aus).

Das bedeutet aber auch, wenn ich aufgrund des Vorwurfs in Resonanz gehe, Adrenalin fließt, meine Gehirnaktivität sich deutlich erhöht und ich Flucht- und Angriffsgedanken mühevoll zu bändigen habe, dann bin ich betroffen, egal ob ich den Vorwurf gemacht habe oder ihn „empfange“.

Dann stellt sich die Frage nach dem WARUM!

Zuverlässigkeit kann zunächst einmal formal als Pünktlichkeit und als Einhaltung einmal gemachter Zusagen verstanden werden. Wir können hier drei Aspekte betrachten.

Einmal den Wert der Pünktlichkeit, dann die Frage danach, was ist eine Zusage und dann was bedeuten beide im Kontext.

„Ich komme am Montag um 16:00 Uhr und bringe das Buch mit.“ Wenn ich also das Buch nicht bis 16:00 Uhr bekommen habe und deshalb den Termin nicht einhalte bin ich dann in den Augen des anderen unzuverlässig? Wenn ich sage, die Arbeit wird bis dann und dann fertig, sich aber zwischenzeitlich herausstellt, dass wir bei der Terminsetzung von falschen Voraussetzungen ausgegangen sind  und wenn ich – vor die Wahl gestellt den Termin einzuhalten oder bei der  Qualität des Endproduktes Abstriche zu machen –  eine Wahl treffe, die für mein Gegenüber die falsche ist, dann bin ich für mein Gegenüber unzuverlässig, empfinde das selbst aber nicht so.

Zuverlässigkeit könnte aber auch aus der Perspektive von Qualität, Relevanz für das Ziel, Wertschätzung u.a. Wertvorstellungen her betrachtet werden. Diese Betrachtungsweisen würden dann zu ganz andern Reaktionen führen können.

Es sei ganz klar gesagt: Jeder von uns ist zuverlässig und unzuverlässig gemäß seiner höchsten Werte. Welche Werte stehen für mich auf dem Spiel, wenn ich mich aufrege? Wo fühle ich mich getroffen?

Was ist für die beiden, die da jeder auf seine Weise reagieren wichtig und von Wert? Der Außenstehende würde sagen, beide haben sich wohl noch am Wertesystem des anderen abzuarbeiten. Gut, wenn sie ein gemeinsames Ziel haben, schlecht wenn nicht, denn dann gibt es keinen verbindenden Maßstab an dem die Werte orientiert werden könnten. In jedem Falle wird aber so eine Diskussion sehr lebhaft.

Zitiert aus, John Strelecky „Das Leben gestalten mit den Big Five for Life“

„Jacques blickte zu Joe. „Es gefällt mir sehr, wenn die Diskussionen lebhaft werden. Wissen Sie warum?“

Joe schmunzelte. „Warum?“

„Weil es zeigt, dass das Thema den Leuten wichtig ist. Sie machen sich die Dinge moralisch zu eigen?“ …..

Es ist viel wirkungsvoller, sich etwas moralisch zu eigen zu machen. Dazu kommt es, wenn Menschen etwas ehrlich und aus tiefstem Herzen wichtig ist – weil sie stolz auf ihre Arbeit sind. Sie sind die Hüter von etwas Bedeutendem.““

Kapitel 60, S. 240)

„Das Leben gestalten mit den Big Five for Life“ von John Strelecky, erscheint im September als Hörbuch in „DIE HÖREDITION 5“ herausgegeben von John Strelecky & Friends, Hamburg (hier geht es zum Shop)