Es ist schön, dass Du da bist! Du bereicherst diese Welt. Der Welt und Deinem direkten Umfeld würde etwas fehlen, wenn es Dich nicht gäbe. Kannst Du dem uneingeschränkt zustimmen? Gilt das auch für den Typ, der Dich immer wieder so aufregt? Für den Typ, der Dir gerade die Vorfahrt genommen hat? Für den Menschen der Dich durch seine Denk- oder Arbeitsweise immer wieder an Deine Grenzen führt? Ja, das gilt auch für ihn. Es wäre schade wenn es ihn oder sie nicht gäbe.

Zeigen wir auf einen „Dritten“, zeigen immer drei Finger auf uns!

Bitte probiere es einmal aus! Wirklich, mach es einmal. Zeige auf etwas und schau Dir genau an, wie drei Finger auf Dich zeigen. Wir erkennen etwas bei unserem Gegenüber, wir zeigen (meist nur bildlich) auf ihn. Das tun wir nur wenn uns etwas bewegt, ansonsten sprechen wir nur über etwas. Es ist dann nur ein Austausch von Informationen. Sobald wir uns aber emotional engagieren, mit dem Finger (bildlich oder wirklich) auf etwas zeigen, sagt dies mehr über uns als über unser Gegenüber aus. Wir zeigen uns berührt, und das können nur wir selbst zulassen. Der andere hat unsere Werte auf die eine oder andere Weise verletzt, sonst würden wir nicht auf ihn zeigen. Also: das zeigt uns wo wir hinschauen können, wenn wir auf andere zeigen.

Jemand ärgert uns, regt uns tierisch auf, und dieser Mensch soll uns fehlen, wenn es ihn nicht gäbe?

Ja!!!

Auf dieses „ja“ könntest du entgegnen, „Tilo, da fehlt mir gar nichts! Da bin ich froh darüber, und das ist doch das Gegenteil davon, dass mir etwas fehlt.“

Nein, es ist nicht das Gegenteil. Es fehlt Dir natürlich nur im übertragenen Sinne etwas! Jeder Ärger den Du spürst gibt Dir einen Hinweis auf etwas was noch auf Beachtung wartet. Du kannst zum Beispiel Deinen Kindern sagen, dass es wichtig ist zu lernen, um bei einer Prüfung gut abzuschneiden. Es ist aber ein Unterschied, ob Du dabei an die Grenze Deiner Geduld gerätst oder ob Du das ruhig und sachlich feststellen kannst. Was kannst Du nun daraus lernen, dass Du emotional reagierst? Zum Beispiel, dass Du dem Ergebnis der Prüfung einen anderen Wert zumisst als Dein „hoffnungsvoller Nachwuchs“!

Was kann das für Dich bedeuten?

Für Dich kommen dabei vielleicht Ängste hoch: Das könnte ein weiteres Schuljahr bedeuten. Es könnte bedeuten, dass Sohn oder Tochter nicht das Studium beginnen können, das Du Dir für sie wünschst oder über das sie gerade auch nachdenken. Deine Befürchtungen berühren Dich und machen Dich „unruhig“. Dein Kind hat noch nicht Deine Erfahrung, es weiß einfach noch nicht einzuschätzen was wirklich wichtig ist. Das sind Gedanken die Dir durch den Kopf gehen und Deine Reaktion bestimmen.

Deine Werte sind Dein Maßstab!

Deine Werte sind hier der Maßstab. Warum ist Dir das so wichtig? Es ist Dir zunächst einmal einfach wichtig. Das kannst Du feststellen, und ohne diesen Anlass würde es Dir vielleicht nie bewusst. Es kann sein, dass Du selbst gerne studiert hättest aber es irgendwie nicht ging! Es kann sein, dass Du gerade erlebst, wie andere, die studiert haben bei der Bewerbung auf eine Stelle vorgezogen wurden. Es kann sein, dass Du der Meinung bist ohne ein Studium geht es einfach heute nicht mehr. Das kann einen dann schon beunruhigen, wenn der Nachwuchs so gar keine Gedanken auf die Zukunft verschwendet.  Es sind Deine Befürchtungen und Zuordnungen, die hier Dein Handeln und Reagieren bestimmen.

Du hast die Wahl!

Du hast immer die Wahl, wie Du agierst und reagierst. Auf einen Reiz folgt meist direkt eine Reaktion. Doch es gibt dazwischen einen Freiraum, den Freiraum zu entscheiden, wie ich reagiere. Wenn wir diesen Freiraum nutzen, zum eigenen Wohl und zum Wohl der Mitmenschen, dann werden wir immer seltener in die Situation geraten, auf andere zu zeigen und letztlich nur uns selbst zu meinen!