Mein Name ist Gabriele und solange ich denken kann, beschäftigen mich Fragen wie: „Was macht mich wirklich glücklich? Ist es eine Sache, ein Gefühl oder ein Ort? Wie komme ich dahin? Und wenn ich dort bin, wie geht es weiter?“ „Was ist der Zweck meiner Existenz?“

Meine Big Five entwickelten sich in einer Zeit, in der ich als Beratungsleiterin in einem
der weltweit größten Softwarekonzernen arbeitete. Ich war verantwortlich für global aufgestellte Teams und betreute innovative Themen. Mit Herausforderungen und Hamsterrädern kannte ich mich sehr gut aus und die Fragen nach dem Glück drängten sich mehr und mehr in den Vordergrund.
Als ich eines Tages besonders nah an meinem Limit war, überzeugte mich eine Freundin, eine Yogastunde mit ihr zu besuchen. Die Wirkung war überwältigend und die positive Erfahrung prägte mich nachhaltig. Mir wurde in dieser Stunde deutlich, wie wenig Zeit ich wirklich im Augenblick verbachte und stattdessen über die Vergangenheit oder Zukunft grübelte.

In meiner Freizeit begann ich eine vierjährige Ausbildung zur Yogalehrerin und im Anschluss folgte eine dreijährige Coaching-Ausbildung. Ich begann mehr und mehr mich selbst und die Menschen um mich herum in ihrer Individualität zu erkennen, zu verstehen und zu akzeptieren. Und ich erkannte, dass Achtsamkeit und Selbstwahrnehmung elementare Schlüssel zu den Antworten auf meinen Fragen waren.
Der krönende Abschluss fand 2014 statt – im Rahmen einer innerbetrieblichen Ausbildung zum Search Inside Yourself (SIY) Teacher. Search Inside Yourself ist ein achtsamkeitsbasiertes Programm für emotionale Intelligenz und wurde im Rahmen einer Grassroot-Initiative genutzt, um Achtsamkeit in die Unternehmenskultur zu bringen. Wir unterrichteten das Programm weltweit, um Mitarbeitern bei ihrer persönlichen Entwicklung zu unterstützen – sei es bei der Optimierung ihrer Performance, der Führungsqualitäten oder ihrem persönlichen Glück.

Und da war es wieder – das Glück. Der Kreis schloss sich und ich war in meinem Element.
Mit jedem Training spürte ich: „Das ist es!“

Ich liebte es, nach dem Glück zu forschen und Menschen an meinem Wissen, meiner Erfahrung und meiner Begeisterung teilhaben zu lassen. Es wurde mein Ziel, meine Aufgabe und der Sinn meines Handelns.

Mein Hamsterrad wurde immer schneller, denn all diese Tätigkeiten spielten sich neben meiner hauptberuflichen Tätigkeit ab. Meine eigene Achtsamkeitspraxis zeigt mir irgendwann klar und deutlich, dass es Zeit für eine Veränderung war. Ich wollte 100% meiner Arbeitszeit dieser Aufgabe widmen und hatte meine Vision klar vor Augen.

Der Zeitpunkt für die Entscheidung „Ganz oder gar nicht“ kam Mitte 2015. Ich war 50 Jahre alt, stand kurz vor meinem 25. Firmenjubiläum und war bereit, die Sicherheit im Unternehmen mit der Freiheit der Selbständigkeit zu tauschen. Bereit im Sinne von „wagemutig“, aber auch bereit im Sinne von „vorbereitet“.
Das mag einfach klingen, nach der ganzen Vorgeschichte, aber bis dieser Schritt wirklich umgesetzt war, kamen immer wieder Zweifel, Ängste und alte Glaubenssätze angekrochen. „Wer gibt schon solch einen Posten auf?“ „In diesem Alter?“ „Wer hoch steigt, fällt tief.“ „Habe ich überhaupt das Handwerkszeug für eine Unternehmerin?“ „Gibt es einen Markt?“ „Wird mich die Aufgabe am Leben halten?“

All diese Fragen waren wichtig und hilfreich und ich habe mir ein halbes Jahr Zeit gelassen. Ich engagierte einen Coach, um sicherzugehen, dass ich mich nicht unbewusst selbst in die Irre führe und schaute betriebswirtschaftlich in die Zukunft. Ich bekam ein „ja“ nach dem anderen. Es gab einen Markt und ich war gut vorbereitet. Ich hatte in diesem wunderbaren Unternehmen viele Erfahrungen sammeln dürfen, hatte ein gutes Netzwerk, Zuspruch von meiner Familie und genügend Ersparnisse für eine Übergangszeit. Ich hatte Erfahrung als Trainerin wie auch als Führungskraft und Mitarbeiterin in einem Großkonzern. Um am wichtigsten war meine Motivation dahinter. Ich spürte den tiefen Sinn hinter meiner neuen Aufgabe und hatte unglaubliche Freude an der Tätigkeit.

Ende 2015 verließ ich das Unternehmen und wurde selbst Unternehmerin.
Ich bin damit meinen Big 5 wie auch meinem ZDE nähergekommen, denn ich wählte
einen Beruf, für den ich brannte. Ich bin zutiefst glücklich, zufrieden und erfolgreich, denn ich spüre, dass ich mit meiner Arbeit einen Unterschied machen kann. Zufriedenheit und Freude eines einzelnen haben immer auch einen Einfluss auf dessen Umfeld. Und Einfluss ist nichts anderes als Führung.
Ich stehe jeden Tag auf, um zu erforschen, wie ich inmitten von Herausforderungen und Veränderungen Klarheit, Lebensfreude und Freiheit spüren kann und gebe all meine Erkenntnisse und Erfahrungen mit Freude als Autorin, Trainerin und Coach weiter.

Nachwort für alle, die sich fragen, ob ich nun weiß, was Glück ist und wo es wohnt.
Auf meiner bisherigen Reise habe ich festgestellt, dass Glück in Fülle vorhanden ist und dass es gleichzeitig sehr still und bescheiden sein kann. Es macht wenig Aufheben, drängt sich nicht vor und tritt in der täglichen Geschäftigkeit oft in den Hintergrund. Dort wird es schlicht und einfach übersehen. Ich vergleiche das Glück gerne mit einem Raum, in dem Klarheit, Lebensfreude und Freiheit wohnen und in dem alle Türen geöffnet sind. Alles darf rein und im Alltag kann es dort manchmal sehr voll werden. So voll, dass man den Raum nicht mehr sieht – und somit auch nicht die Freude, die Klarheit und die Freiheit.

Die gute Nachricht ist: Raum und Glück sind immer da. Sie sind unverwüstlich und
werden spürbar, wenn wir innerlich still werden und aufmerksam lauschen und schauen. Dieses Lauschen und Schauen erfordert unsere ganze Achtsamkeit. Es ist Zustand, Technik, Lehrer und Meister zu gleich. Achtsamkeitstraining bedeutet, sich auf eine innere Reise einzulassen und das Glück aus ganzem Herzen einzuladen.

Gabriele Andler