von John Strelecky: Mut ist die Bereitschaft, ohne Garantie einen Schritt ins Leere zu machen. Es ist die Bereitschaft, es uns selbst und anderen gegenüber einzugestehen, wenn wir unser Potenzial nicht ausgeschöpft haben. Es ist die Bereitschaft, uns in Situationen zu begeben, in denen wir uns vollkommen auf unsere eigenen Fähigkeiten verlassen müssen. Mut begeistert mich. Es gefällt mir, dass er uns wie eine weise uralte Präsenz begegnet. Dass er uns dazu auffordert, persönlich zu wachsen und unsere Fähigkeiten voll ausschöpfen, und zwar auf eine Weise, die uns erkennen lässt, wie dumm unsere Ängste waren. Er fördert unsere Größe zutage, da er uns die Stärke verleiht, für die Dinge einzustehen, die wir als wahr erkannt haben. Auf bestimmten Konditionen zu bestehen, wenn wir wissen, dass sie uns zustehen.

Zudem begeistert es mich, auf welche Weise der Mut uns seine vielen Gesichter zeigt. Etwa wenn ein Kind wagemutig von einem Stück des Bürgersteigs zum nächsten springt. Wenn eine Unternehmerin ein ganzes Unternehmen nur aus einer Idee heraus aus dem Nichts aufbaut. Wenn ein Skifahrer nach einer schweren Verletzung und monatelanger Reha wieder in die Falllinie geht und erneut den Berghang hinunterrast.

Wir alle werden mit einer großen Portion Mut geboren, und er ist aus einem entscheidenden Grund in unserer DNA vorhanden. Ich bekam eine Ahnung davon, während ich das Buch Safari des Lebens schrieb. Dabei hatte ich eine Vision von der menschlichen Erfahrung. Demnach suchen wir uns die Herausforderungen aus, denen wir uns im Leben stellen wollen, bevor wir unsere physische Gestalt annehmen. So ähnlich wie bei einem Urlaub, für den wir uns all die Orte überlegen, die wir sehen wollen, und die Dinge planen, die wir tun möchten. Allerdings mit dem Unterschied, dass diese Erfahrung vor unserer Geburt die Richtung unseres Lebens vorgibt. Und dieses gestalten wir mit der Intention, durch die Dinge, die wir auswählen, persönlich zu wachsen. Daher suchen wir uns natürlich keine einfachen, leicht bewältigbaren Erfahrungen aus. Denn diese würden nicht zu großem persönlichen Wachstum führen. Stattdessen nehmen wir große Herausforderungen an. Bei manchen handelt es sich um körperliche Herausforderungen, etwa wenn es um unser Aussehen geht. Bei anderen geht es darum, eine Verletzung oder Krankheit zu bewältigen. Bei wieder anderen könnte es sich um mentale Herausforderungen handeln, etwa, wenn wir mit Menschen in unserem Leben fertigwerden müssen, die uns nicht unterstützen oder die extrem kritisch sind.

Allerdings werden wir zusätzlich zu den Herausforderungen, die wir uns aussuchen, mit positiven Eigenschaften ausgestattet, die uns helfen, die Probleme zu bewältigen. Mit unserem persönlichen einzigartigen Superpower-Mix. Dabei gehört der Mut zu den wichtigsten Eigenschaften. Dann werden wir geboren und erinnern uns weder an die Herausforderungen, die wir ausgewählt haben, noch an unsere positiven Eigenschaften. Das alles gehört zum Spiel dazu. Denn während sich unser Leben als Mensch entfaltet, treten die Herausforderungen zutage. Das eröffnet uns die Möglichkeit, unsere Superkräfte zu entdecken und einzusetzen, um die Herausforderungen anzunehmen.

Wenn wir diese Perspektive in unserem Bewusstsein halten, haben wir die Chance, das Leben aus einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten. Dabei geht es nicht darum, möglichst zu vermeiden, dass wir von den Problemen des Lebens niedergeschmettert werden. Vielmehr geht es darum, die Herausforderungen als Teil unseres Pfads zu einem fantastischen Leben zu verstehen. Mit einem Mal befinden wir uns als Abenteurer mitten in einem Spiel. Wir erkennen, dass die Probleme nicht von selbst verschwinden werden. So wie das Spiel angelegt ist, werden sie sogar immer wieder aufs Neue und mit jedem Mal massiver auftreten, wenn wir uns ihnen nicht stellen.

Also widmen wir uns dem Spiel. Und dazu gehört, nach den Superkräften zu suchen, mit denen wir uns ausgestattet haben, damit sie uns dabei helfen zu gewinnen. Wenn diese uns zur Verfügung stehen, bewegen wir uns im Spiel mutig vorwärts, mit dem Wissen, dass nicht jeder Moment einen Sieg bereithält. Allerdings sind wir auch nicht darauf angelegt, zu verlieren. Allein die Bereitschaft, das Leben in einem solchen Zusammenhang zu betrachten, erfordert Mut. Denn es weist uns selbst Verantwortung zu. Wir tragen die Verantwortung für unser eigenes Schicksal. Wir sind die Schöpfer unserer eigenen Realität. Wir kontrollieren, was uns widerfährt. An einem Tag, an dem alles gut läuft, fällt uns das leicht. An einem Tag jedoch, an dem wir uns einer großen Herausforderung gegenübersehen, kann das viel bedrohlicher wirken.

Deshalb sind wir bei diesem Abenteuer nicht alleine. Denn an einem Tag, an dem es uns an Mut mangelt, können wir ihn einfach mithilfe von Beispielen anderer in unserem Umfeld wiedererlangen. Wir haben Zugang zu einer endlosen Menge von Geschichten realer Menschen, die sich ihren Herausforderungen gestellt haben und über sich selbst hinausgewachsen sind. Die Beispiele ihres Muts erinnern uns daran, dass es auch in uns selbst steckt, mutig zu sein. Wir verfügen ebenfalls über die nötigen Fähigkeiten – nicht nur um zu überleben, sondern auch um uns persönlich weiterzuentwickeln, uns zu entfalten und uns selbst zu übertreffen. Die Art und Weise, wie andere ihren Mut unter Beweis gestellt haben, umfasst eine unglaubliche Bandbreite von Szenarien. Eltern überwinden Hindernisse, um ihre Kinder großzuziehen, Männer und Frauen fliegen in den Weltraum, Abenteurer überqueren Ozeane mit einem Ruderboot, Teenager entwickeln neue Erfindungen, blinde Menschen erlernen die Brailleschrift, Wissenschaftler finden Heilmittel für Krankheiten … Egal mit welchen Herausforderungen wir konfrontiert werden, es gibt Beispiele von Menschen, die genau die gleichen oder sehr ähnliche Probleme gemeistert haben.

Diese Beispiele für Mut müssen nicht nur von Menschen stammen, die aktuell noch am Leben sind. Wenngleich es sicherlich viele solcher Beispiele gibt, reichen Geschichten über Mut Hunderte und sogar Tausende von Jahren zurück. Es ist beeindruckend, solche Geschichten zu erfahren. Häufig erscheinen unsere eigenen Probleme im Vergleich dazu klein, denn egal vor welchen Herausforderungen wir stehen, es gibt stets jemanden, der mit einer schwierigeren Situation konfrontiert war und sie bewältigt hat. Auf welche Weise können wir unseren Mut also fördern? Vor allem, wenn wir uns innerlich klein fühlen?

Die Antwort lautet: Wir können es von einem Baby lernen. Dieses wird nicht innerhalb eines einzigen Tages zunächst noch krabbeln und dann einen Marathon laufen. Es ist vielmehr ein Prozess, der sich entwickelt. Monatelang beobachtet das Baby, wie es aussieht zu laufen. Dann kräftigt es durch das Krabbeln seine Muskeln. Wenn diese schließlich stark genug geworden sind, zieht es sich hoch und übt zu stehen. Wenn es das gemeistert hat, versucht es zu gehen. Dann, erst dann geht es dazu über zu rennen…

John P. Strelecky ist der Autor des Buches „Das Café am Rande der Welt“, welches in verschiedenen Ländern den ersten Platz auf den Bestsellerlisten erreichte. Zudem verfasste er die Buchreihe der Big Five for Life. Wenn Sie mehr über seine Bücher sowie darüber erfahren möchten, wie Sie Ihre Version eines fantastischen Lebens entdecken, können Sie die folgende Internetseite besuchen: www.jsandfriends.com

Die Fortsetzung dieses Artikels folgt in unserer nächsten Newsletterausgabe am 17. Juli 2020.