Beim spontanen Aufschlagen des Aha-Buches* von John, lese ich heute morgen folgende Zeilen:

„Es ist seltsam, wie stark meine Ängste die Wahrnehmung der positiven Dinge in meinem Leben trüben können. In Wirklichkeit läuft es besser für mich, als ich mir bewusst mache. Ich bin zu mehr fähig, als ich mir selbst zutraue.“

Unwillkürlich nicke ich, denn John bringt es für mich genau auf den Punkt. Wie oft haben wir Angst vor Dingen, die niemals eintreffen? Wie oft können wir Wertschätzung nicht annehmen, weil wir uns selbst glauben machen,  dass das alles nur Zufall war, dass wir Glück hatten, dass wir doch gar keine wirkliche Leistung erbracht haben? Hand aufs Herz, wie viel ist uns das Lob von neun Menschen wert, wenn ein Zehnter einen Einwand hat? Woran werden wir uns erinnern? Genau deshalb ist es so wichtig, dass wir zwischen Überzeugungen und Tatsachen unterscheiden. Statt der kraftraubenden negativen Überzeugungen, sollten wir uns eine positive Haltung zu eigen machen, die uns unterstützt, aufbaut und uns Energie schenkt.

Positionswechsel

Manchmal hilft dabei eine Positionsveränderung. Dabei erinnere mich an einen Fotoworkshop. Der Fotograf, mit dem ich einen Tag  in Berlin unterwegs war, bringt es für mich auf den Punkt. Die Aufgabe, ein Foto in einem ganz speziellen Blickwinkel zu schießen, scheint für mich unlösbar. Unschlüssig drehe ich an der Brennweite meiner Kamera, um den idealen Ausschnitt zu erwischen. Der Fotograf lächelt mich an: „Manchmal ist es einfacher, die Position zu verändern“. Und wirklich zwei Schritte nach links und schon ist die Perspektive perfekt. „Wie im wahren Leben“ denke ich. Wie oft verharren wir an immer der gleichen Position, legen ein Maximum an Kraft und Energie hinein und kommen doch nicht ans Ziel? Positionswechsel – es scheint plötzlich alles so einfach.

Später schauen wir uns meine Fotos an, die auf meinen Reisen entstanden sind. Dem Fotografen fällt auf, dass ich einen Hang zum „Beschneiden“ der Bilder habe.

Mein Ansatz war es bisher, ausschließlich das vermeintlich „Schöne“ zeigen zu wollen, dafür entferne ich das für mein Auge „Störende“. Für den Fotografen ist es eher das „Unperfekte“, die Realität, die die Fotos ausmacht. Mit Blick auf meine unbearbeiteten Original-Fotos verstehe ich schnell, was er meint – die Geschichten, die man hinter den Fotos entdeckt – dann, wenn mehr zu sehen ist, als nur eine Sehenswürdigkeit.

Alles zulassen, auch nicht sich selbst beschneiden, sich öffnen, mutig sein – all das steckt für mich plötzlich dahinter. Das Unperfekte weckt die Neugier – Perspektiven- und Positionswechsel auch hier.

Unsere Realität hängt von unseren Vorstellungen ab. Wir sind zu viel mehr fähig, als wir uns selber zutrauen und manchmal ist es eben auch das Unperfekte, das uns ausmacht.

* Aus dem neuen Aha-Buch von John Strelecky: „Was nützt der schönste Ausblick, wenn du nicht aus dem Fenster schaust“ (dtv Verlag)